
Kurventour Bayerischer Wald
Bei dieser außergewöhnlichen Motorradtour geht es mal nicht um Kultur, nicht um Sehenswürdigkeiten, sondern nur um eines: Kurven – und sonst nichts!
Bayerischer Wald
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Bei dieser außergewöhnlichen Motorradtour geht es mal nicht um Kultur, nicht um Sehenswürdigkeiten, sondern nur um eines: Kurven – und sonst nichts!

Beim M&R-Lesertreffen im Bayerischen Wald ging es international zu, sogar über den deutschsprachigen Raum hinaus. Diese Tour folgt dem Verlauf von Donau und Inn.

Vom Freistaat Bayern startet diese Tour und läuft über Tschechien und den Nationalpark Sumava zurück in den Bayerischen Wald.

Auf nach Tschechien zum Moldaustausee heißt es am vierten Fahrtag des M&R-Lesertreffens.

Wir haben uns eine Tour in den vorderen Bayerwald ausgesucht, eine Tour, gerade richtig, um die Reifen wieder rund zu fahren und die Fahrerinnen respektive Fahrer wieder an lockeres Schwingen durch die unzähligen auf uns wartenden Kurven…

Beim Lesertreffen im Bayerischen Wald standen Abstecher ins nahe Tschechien und nach Österreich auf dem Programm.
Der Bayerische Wald hat zwei Arten von Grenzen, mit denen man auf Tour zu tun bekommt: die offene Schengen-Grenze nach Böhmen und die unsichtbaren Ränder des Nationalparks. Keine davon blockiert eine gut geplante Runde, aber beide haben Regeln, die man vor dem Losfahren kennen sollte.
Zwei Straßenübergänge tragen den Großteil des Motorradverkehrs. In der Mitte des Gebirges führt die B11 über Bayerisch Eisenstein hinüber nach Železná Ruda – das Tor in den zentralen Böhmerwald, weiter Richtung Klatovy. Weiter südlich bringt die B12 von Philippsreut nach Strážný und von dort in Richtung Vimperk und Prachatice; das ist die direkte Linie aus dem Raum Freyung/Grafenau in den südlichen Böhmerwald. Dazu kommen kleinere Übergänge – wer flexibel plant, legt Hin- und Rückweg über zwei verschiedene und spart sich die Wiederholung derselben Strecke.
Tschechien gehört zum Schengen-Raum, feste Grenzkontrollen gibt es nicht. Stichprobenartige Kontrollen sind aber jederzeit möglich – Führerschein, Fahrzeugpapiere und die grüne Versicherungskarte gehören deshalb griffbereit ins Gepäck. Jenseits der Grenze sind die Straßen weit und wenig befahren, der Belag ist allerdings oft rauer als auf deutscher Seite.
Auf tschechischen Autobahnen und Schnellstraßen brauchen Autos eine Vignette (dálniční známka). Für Zweiräder gilt das nicht: Krafträder sind von der tschechischen Vignettenpflicht generell befreit, unabhängig davon, welche Straße man fährt. Und weil man im Böhmerwald ohnehin fast nur auf Landstraßen unterwegs ist, wo keine Vignette verlangt wird, erledigt sich die Frage gleich doppelt. Kurz: An der Grenze muss man nichts kaufen und nichts aufkleben.
Der Kern des Nationalparks ist für den Verkehr gesperrt, doch die öffentlichen Straßen am Parkrand bleiben normal befahrbar – der Schutzstatus schneidet keine der regulären Verbindungen ab. Entscheidend ist eine einfache Regel: auf der Straße alles erlaubt, daneben nichts. Forststraßen und Wanderwege sind für Motorräder gesperrt, das Fahren oder Abstellen abseits befestigter Straßen ebenso. Das ist keine Schikane, sondern genau der Grund, warum die Region trotz Nationalpark durchgehend mit dem Motorrad erschlossen bleibt.
Der Bayerische Wald ist kein Serpentinen-Gebirge, aber ein paar Strecken schrauben sich spürbar in die Höhe und zahlen mit Aussicht zurück. Zwei lohnen den Umweg besonders.
Wer von Süden über Deggendorf kommt, nimmt mit der B11 die erste echte Steigung des Waldes: den Anstieg über die Rusel. Aus dem Donautal zieht die gut ausgebaute Strecke in langen, fließenden Bögen hinauf zum Ruselabsatz und weiter Richtung Regen – für viele der Auftakt jeder Bayerwald-Runde und ein sauberes Warm-up für Reifen und Fahrer. Der Belag ist solide, die Kurven eher weit als eng; an Ausflugstagen ist mit Kolonnenverkehr zu rechnen.
Ganz im Südosten führt eine Bergstraße hinauf zum Dreisessel-Massiv, das an der Grenze zu Österreich rund 1.300 Meter erreicht. Die Straße endet an einem Bergparkplatz unterhalb der Gipfelfelsen; von dort sind es wenige Minuten zu Fuß zu der bizarren Granit-Blockburg, die dem Berg den Namen gibt, und zum weiten Blick über Böhmerwald und Mühlviertel. Weil es eine Stichstraße ist, fährt man denselben Weg wieder hinab – der obere Abschnitt ist schmaler und waldig, hier lohnt Zurückhaltung. Zusammen mit dem nahen Dreiländereck ergibt sich eine kompakte, aussichtsreiche Schleife.
Durch den gesamten Bayerischen Wald zieht sich eine geologische Besonderheit, an der man sich erstaunlich gut orientieren kann: der Pfahl, eine schmale Ader aus weißem Quarz, die über rund 150 Kilometer diagonal durch das Gebirge verläuft. Sie folgt einer alten tektonischen Störungslinie und trennt grob den Vorderen vom Hinteren Bayerischen Wald – viele Täler und Höhenrücken, und damit auch der Verlauf mancher Straße, richten sich nach dieser Linie aus.

Am eindrucksvollsten tritt der Quarz beim Großen Pfahl nahe Viechtach an die Oberfläche: eine helle, meterhohe Felsmauer, die wie das Überbleibsel einer Burgruine aus dem Wald ragt. Der Ort liegt günstig am Korridor der B85 und taugt als kurzer Stopp – ein paar Schritte zu Fuß, ein markantes Motiv und ein Stück Erdgeschichte, das erklärt, warum die Region ihre eigentümliche Struktur aus parallelen Rücken und Tälern hat.
Für die Tourenplanung ist der Pfahl ein brauchbarer roter Faden im Raum Viechtach–Regen: Wer den Rücken einmal quert und einmal an ihm entlangfährt, hat die beiden Gesichter des Waldes – die sanfteren Vorberge und die herben Höhen – an einem Tag verbunden.
Klassiker rund um den „König des Bayerischen Waldes": von Bodenmais über den Großen Arber, Bayerisch Eisenstein an der Grenze, weiter nach Zwiesel und zurück. Rund 90–120 km, etwa ein halber bis ganzer Tag mit Stopps.
Einkehr/Stopp: Arbersee (Bikertreff, Rundweg).
Highlight: Auffahrt zum Großen Arber (1.456 m) und der dunkle Karsee mit schwimmenden Inseln.
Vom Raum Zwiesel/Frauenau über Spiegelau und Grafenau in den Nationalpark Richtung Neuschönau und zurück. Rund 100–130 km, gut ein Tag mit ausgiebigem Besichtigungsstopp.
Einkehr/Stopp: Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau.
Highlight: Baumwipfelpfad (1.300 m, 44-Meter-Baumturm) und Tier-Freigelände mit Luchs, Bär und Wildkatze.
Vom Raum Freyung über Waldkirchen, Neureichenau und Haidmühle zum Dreisessel und entlang der Grenze zurück. Rund 120–150 km, ein Tag.
Einkehr/Stopp: Parkbereich am Dreisessel, Gasthäuser in Haidmühle/Neureichenau.
Highlight: Granitformation Dreisessel (rund 1.312 m) am Dreiländereck Deutschland–Österreich–Tschechien.
Kultur- und Genussrunde durch die Glasregion: Bodenmais – Zwiesel – Frauenau und zurück, mit Abstechern entlang der Glasstraße. Rund 80–110 km, gut für einen Tag mit mehreren Stopps oder als Schlechtwetter-Programm.
Einkehr/Stopp: Glasorte Bodenmais, Zwiesel, Frauenau.
Highlight: Glasmuseum Frauenau, JOSKA-Schauproduktion in Bodenmais, Glaspyramide in Zwiesel.
Über die Ostmarkstraße (B85) von Regen Richtung Viechtach und durch das Hügelland des vorderen Bayerwaldes zurück. Rund 90–120 km, ein halber bis ganzer Tag.
Einkehr/Stopp: Parkplatz am Großen Pfahl bei Viechtach, Einkehr in Viechtach oder Regen.
Highlight: Das weiße Quarzriff des Pfahls direkt an der B85 — ein geologisches Naturdenkmal, zu dem ein kurzer Fußweg führt.
Benachbarte Motorradregionen – weitere Strecken-Guides aus dem Netzwerk: