Der Bayerische Wald ist Deutschlands stilles Kurvenrevier: dünn besiedelt, waldreich, mit dem ältesten Nationalpark des Landes und offener Grenze nach Böhmen. Wer Verkehr und Ausflugsrummel sucht, ist hier falsch — wer lange Asphaltbänder durch Wälder und über Höhenrücken sucht, richtig. Was die einzelnen Ecken ausmacht und wie sie zusammenhängen, steht hier.
Der Arber und die hohen Lagen – das Dach des Waldes

Der Große Arber ist mit rund 1.456 Metern die höchste Erhebung des Bayerischen Waldes und Fixpunkt der meisten Runden im Osten. Von Bodenmais aus zieht eine kurvige Bergstraße hinauf zur Talstation der Arber-Bergbahn; unterhalb liegen mit Großem und Kleinem Arbersee zwei eiszeitliche Karseen als lohnende Pausenziele. In Zwiesel fließen Großer und Kleiner Regen zum Schwarzen Regen zusammen — den Talverläufen folgen die kurvigsten Verbindungen der Gegend. Bayerisch Eisenstein markiert die Grenze; der Bahnhof steht bis heute exakt auf der Linie zwischen Deutschland und Tschechien, eine Hälfte je Land. In Bodenmais selbst taugen das Besucherbergwerk Silberberg und die Rieslochfälle im engen Waldtal als Stopp abseits des Sattels. Wichtig für die Planung: In den Hochlagen ist die Saison kürzer, Frühjahr und Spätherbst bringen oben oft noch Schnee, Nässe und Rollsplitt in den Kehren.
Der Nationalpark – Rachel, Lusen und der Urwald von morgen

Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 gegründet und ist der älteste Deutschlands. Seine Kerngipfel Rachel und Lusen bleiben dem Verkehr entzogen — durch das Schutzgebiet führt keine Durchgangsstraße, man umfährt es auf den Randstrecken zwischen Zwiesel, Spiegelau und Mauth und stellt fürs Gipfelziel das Motorrad ab. Die Leitidee „Natur Natur sein lassen" hat nach dem Borkenkäfer graue Totholzhänge hinterlassen, aus denen junger Wald nachwächst — ein Landschaftsbild, das so in Deutschland kaum ein zweites Mal am Straßenrand liegt. Die Glasorte Frauenau und Zwiesel am Rand liefern das Schlechtwetterprogramm: Glasmuseen und Manufakturen mit Glasbläserei zum Zusehen.
Lamer Winkel und Osser – der ruhige Nordwesten

Nordwestlich von Arber und Nationalpark liegt der Lamer Winkel um Lam und Lohberg, ruhiger und weniger befahren. Der Große Osser schiebt sich hier mit rund 1.290 Metern als markante Felspyramide auf die Grenze; der Gipfel ist ein kurzer Zustieg zu Fuß, kein Fahrziel. Weiter westlich steht der Hohe Bogen über Neukirchen beim Heiligen Blut. Die Sträßchen durch die Seitentäler sind schmal und kehrenreich — kein Terrain zum Kilometerfressen, aber sauberes, konzentriertes Kurvenfahren ohne Kolonne.
Dreiländereck und Böhmerwald – über die Grenze

Ganz im Südosten treffen am Dreisessel Deutschland, Österreich und Tschechien zusammen; der Grenzstein steht am Dreiländereck unweit des Gipfels. Die Übergänge nach Böhmen sind offen, und der Böhmerwald ist die naheliegende Erweiterung jeder Tour. Gegenüber von Bayerisch Eisenstein liegt Železná Ruda, dahinter der tschechische Nationalpark Šumava — zusammen mit dem Bayerischen Wald eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. Die Straßen drüben sind weit und leer, im Belag aber oft rauer. Zu beachten: grüne Versicherungskarte mitführen; auf tschechischen Autobahnen sind Motorräder ohnehin von der Vignettenpflicht befreit, und im Šumava fährt man auf Landstraßen.
Ilztal und Passau – der Süd-Anschluss

Nach Süden entwässert der Wald über die Ilz, einen der letzten naturnahen Flüsse Deutschlands, durch ein enges, schattiges Waldtal Richtung Donau. Das Ilztal ist eine langsame Genussetappe ohne Anspruch aufs Tempo. Sie endet in Passau, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen — das Dreiflüsseeck ist der natürliche Süd-Anschluss jeder Bayerwald-Runde und zugleich das Sprungbrett nach Österreich.
Vorderer Wald und Donau – Regensburg und Walhalla

Nach Südwesten flacht das Gebirge zum Vorderen Bayerischen Wald ab und läuft zur Donau aus. Über Viechtach, Bad Kötzting und Falkenstein reihen sich kurvige, gut ausgebaute Verbindungen bis Regensburg, dessen mittelalterliche Altstadt zum UNESCO-Welterbe zählt. Oberhalb der Donau bei Donaustauf steht die Walhalla, Ludwigs I. Ruhmeshalle im Stil eines griechischen Marmortempels — ein Aussichtsbalkon über dem Strom, gut als Wendepunkt einer Tagestour. Hier ist die Landschaft sanfter und der Kulturanteil höher: die Ergänzung zu den herben Höhen im Osten.
Glasstraße – der rote Faden durch die Region

Wer eine Leitlinie für die erste Tour sucht, nimmt die Glasstraße: eine Ferienstraße, die die Glasorte von der Oberpfalz über Bodenmais, Zwiesel und Frauenau bis nach Passau verbindet. Sie fädelt schöne Strecken und sehenswerte Orte zuverlässig auf und ist ein verlässlicher Faden, wenn man die Region noch nicht kennt.