Die Grenze ist offen, aber sie ist nicht überall passierbar. Für Kraftfahrzeuge gibt es im Bayerwald nur eine Handvoll Übergänge, und die liegen weit auseinander: im Nordwesten bei Furth im Wald und bei Neukirchen beim Heiligen Blut, in der Mitte bei Bayerisch Eisenstein, im Südosten bei Philippsreut. Dazwischen — auf dem gesamten Abschnitt entlang des Nationalparks — liegen zwar mehrere alte Übergänge, aber die sind Wanderern und Radfahrern vorbehalten. Der bekannteste davon ist der Weg von Finsterau hinüber nach Bučina. Wer dort mit dem Motorrad ankommt, steht vor einer Schranke.
Die Konsequenz für die Planung: Eine Böhmerwald-Schleife ist keine spontane Kurzentscheidung, sondern eine Tagesentscheidung. Zwischen zwei nutzbaren Übergängen liegen schnell fünfzig Kilometer und mehr, und die Rückfahrt über denselben Übergang ist oft die kürzere Variante als die Runde über den nächsten.
Jenseits der Grenze ändert sich der Charakter spürbar. Der Böhmerwald ist weiter, flacher gewellt und noch dünner besiedelt als die bayerische Seite. Auf den Hochflächen laufen die Straßen über lange, offene Abschnitte durch Moor- und Wiesenlandschaft, mit Sichtweiten, die es auf bayerischer Seite kaum gibt. Der Grund für die Leere ist historisch: Nach 1945 wurde der Grenzstreifen zwangsgeräumt, ganze Dörfer verschwanden, und die Sperrzone des Eisernen Vorhangs hat die Entwicklung über vier Jahrzehnte eingefroren. Was heute wie unberührte Natur aussieht, ist zu großen Teilen aufgegebenes Siedlungsland.
Fahrerisch gilt: Die Hauptverbindungen zwischen den Kleinstädten sind gut ausgebaut und fließend zu fahren, die Nebenstrecken wechseln stark im Belag, mit ausgefahrenen Rändern und geflickten Abschnitten. Tankstellen liegen in den Orten, nicht dazwischen — die Reichweitenplanung ist auf tschechischer Seite wichtiger als daheim. Für Motorräder ist die tschechische Vignettenpflicht auf Autobahnen und Schnellstraßen ohnehin ohne Belang, weil Krafträder davon ausgenommen sind; auf den Landstraßen, auf denen man hier fährt, stellt sich die Frage gar nicht erst.